Solex

Boltshauser Architekten AG
Dubsstrasse 45 
8003 Zürich

Roger Boltshauser, Matthias Peterseim, Cato Bonnen, Jonas Zacharias, Daniel Granzin, Zoe Bahy, Mathias Stocker

Fakultativ beigezogene Fachrichtungen/ Spezialisten:
Amstein + Walthert AG
Andreasstrasse 5
8050 Zürich

Marcel Nufer, Volker Braig, Stephan Diethelm

Schnetzer Puskas Ingenieure AG
Aeschenvorstadt 48
4051 Basel 

Dr. Kevin M. Rahner

Waldhauser + Hermann AG
Florenz-Strasse 1d
4142 Münchenstein

Marco Waldhauser

IBG Engineering AG
Hintermühlstrasse 4
8409 Winterthur

Mauro Canzian

IBV Hüsler
Olgastrasse 4
8001 Zürich

Janet Fasciati

Solex Wankdorfcity 3 S2

Gesamtwürdigung

Das Projekt Solex zeichnet sich durch eine umfassende Betrachtung und stringente Weiterentwicklung des Richtprojektes aus. Der Wert der Arbeit besticht in ihrer Tiefe und Konsequenz und liefert relevante Beiträge zur Diskussion. Die rigide Umsetzung bricht aber mit einigen Grundsätzen und verliert an Erlebnis und Erfahrbarkeit. Die angestrebte Klarheit in der städtebaulichen Figur und die Kohärenz im Typus lässt das Potenzial, welches der Komplexität des Richtprojektes innewohnt, vermissen. Die Arbeit scheint zu präzis und abschliessend, um im weiteren Prozess der Werkstatt verhandelt und adaptiert zu werden.

Solex Wankdorfcity 3 S4

Projektbeschrieb

Städtebau und Architektur

Der Projektbeitrag «Solex», entwerfen mit dem Klima  entwickelt das Richtprojekt entlang den Faktoren – Schall, Licht, Raum, Nutzung, Struktur und Nachhaltigkeit – ganzheitlich und interdisziplinär weiter. Dabei werden innovative Lösungsansätze verfolgt, die im weiteren Verlauf der Projektwerkstatt erneut verhandelt und weiterentwickelt werden sollen. Das Anliegen des dargestellten Entwurfs, so formulieren es die Projektverfassenden, soll somit nicht als abschliessender und präziser Zustand verstanden werden, sondern ganzheitlich gedachte Konzepte und Potenziale aufzeigen. Anhand ihrer Analyse identifizieren sie eine Reihe von Unschärfen und Zielkonflikten, welche das städtebauliche Konzept durch die aussergewöhnliche Lage (Verkehr, Erschliessung, Lärm) und die Stapelung von Körpern und Nutzungen aufweist. Der Fokus der Arbeit liegt darauf das Richtprojekt gesamtheitlich zu validieren und zu optimieren. Die dabei gemachten Überlegungen sind konstituierend für die Form und den Ausdruck des Quartiers. Die Vielzahl an strukturellen Komplexitäten in Form und Figur, welche das Richtprojekt aufweist, erachten die Projektverfassenden als wenig kompatibel mit den Ansprüchen der Nachhaltigkeit. Sie schlagen mit ihrem Beitrag eine Klärung und Vereinfachung des Stadt- und Raumkörpers vor. Die Baubereiche B5 bis B8 erfahren so eine Reduktion. Zwei Wohnscheiben, zwei Fugen, zwei niedrige Scheiben und der Bürosockel bilden die Basis des Entwurfs. Die Typen finden ihre Form aus den Überlegungen zur Struktur, dem Lärm, dem Licht und dem Aspekt der Ressourcenschonung. Dieses Vorgehen reduziert die Komplexität und führt zu einer Raumfigur, welche die Grundidee des Skulpturalen, Überlagernden und Oszillierenden zu sehr verlässt. Die morphologische Struktur wirkt kontrolliert und mutiert in die Höhe. Es entstehen offene und grosse Zwischenräume. Die erwünschte Interaktion zwischen Innen und Aussen geht in den Wohngeschossen leider verloren. Die Klarheit der städtebaulichen und typologischen Kohärenz schmälert das Potenzial des überraschenden und Unbestimmten, welches dem Richtprojekt innewohnt.

Die Verfassenden des Projektbeitrags «Solex» setzen sich intensiv mit der Ausgestaltung des zentralen Freiraumes auf der Stadtterrasse und dessen Beziehung zur Stadtebene auseinander. Einerseits wird die formal angedachte Höhe von 30.00 m auf 19.90 m herabgesetzt. Andererseits wird mit einer sichelförmigen, leicht ansteigenden Fahrradrampe eine markante Verbindung zwischen diesen zentralen Bewegungsebenen geschaffen. Dies und die präzise Ausformulierung der beiden Ebenen zeigen das Verständnis für die Aufgabe, die Fähigkeit, eine Hauptstrategie bis ins Detail auszuformulieren und ein Bild von Sinnlichkeit zu schaffen.

Solex Modellbild

Nutzung und Funktionalität

Der Projektbeitrag verfolgt konsequent die Klärung der Strukturen und Abhängigkeiten. Die Statik wird als Raumgitter angedacht, welches auch in Zukunft auf die Veränderbarkeit und die Nutzungsansprüche reagieren kann. Die vertiefte und umfassende Auseinandersetzung mit der Ökonomie der Mittel und der Nachhaltigkeit wird erkannt und entsprechend gewürdigt. Die Erschliessungsstruktur folgt der Logik der Nutzung. Die Wohnnutzung wird über aussenliegende Türme und Laubengänge bedient. Innenliegende Kerne erschliessen die Büro- und Gewerbenutzung. Die Hierarchie der Zugänge findet in der öffentlichen Stadtebene

seine Entsprechung. Die Stadtebene wird als Raum der Begegnung und Interaktion bespielt und verstanden. Hier vermischen sich die unterschiedlichen Zielgruppen. Um von hier den Bezug zur Stadtterrasse zu stärken, schlägt das Team eine Verschiebung der Höhenlage derselben vor. Neu liegt die nachbarschaftliche Ebene durchgängig im fünften Obergeschoss. Dies hat Folgen für die Büronutzung, welche sich nun flächig über die unteren Geschosse in allen Baukörpern verteilt. Beim Baubereich B5, welches lärmabgewandt und südorientiert liegt, scheint der Nutzungsvorschlag nicht konsequent.

Das Tieferlegen der Terrassenebene begründet sich einerseits in der besseren funktionalen Anbindung an die Stadtebene und anderseits rückt die Distanz in ein menschliches Sichtfeld. Eine direkte Veloerschliessung führt auf die Stadtterrasse. Die Absicht, die Stadtterrasse optimal im Kontext zu vernetzen, wird durch zusätzliche, freiliegende öffentliche Erschliessungen verdichtet. Joker-Flächen, Velo-Räume, Werkstätten, Waschküchen und einige Wohnungen bespielen die Ebene und sollen ein Netz von nachbarschaftlichen und familiären Aktivitäten und Möglichkeiten aufspannen. Der Vorschlag ist wertvoll, setzt er sich doch mit der Bedeutung dieses Raums im Kontext des Quartiers auseinander. Die Leseart, diesen Ort dem familiären und nachbarschaftlichen Leben im Quartier zuzuordnen, scheint folgerichtig. Die Stadtebne ist öffentlich, durchmischt und frequentiert. Die Stadtterrasse hingegen ist intimer, überschaubarer und geschützt. Inwiefern diese Absicht durch die grosse, zusammenhängende Ebene mit den unterschiedlichen Erschliessungen und der dadurch bewusst gesuchten Aktivierung erreicht wird, bleibt ungewiss. Weiter wird die Alltagstauglichkeit der separaten Fuss- und Velozugänge in Frage gestellt und vermutet, dass das Begegnungspotential in den Eingangsbereichen damit geschmälert wird.

Situationsplan

Wirtschaftlichkeit

Die Kompaktheit der Baukörper und der Verzicht auf Auskragungen oder Versätze bildet eine gute Voraussetzung für eine wirtschaftliche Umsetzung. Im Gegensatz dazu lassen die mehrseitig vorgeschlagenen Fassaden mit Brise Soleil und den PV-Fassadenmodulen eine konstruktiv aufwendige und kostenintensive Umsetzung erwarten. Tendenziell sollte das Projekt jedoch wirtschaftlich und Flächeneffizient umsetzbar sein.

Längsschnitt L1

Umwelt

Die Lärmproblematik wurde erkannt und es wird stufengerecht aufgezeigt, wie auf die Situation reagiert werden soll. Das Projekt sieht vorgelagerte Gewerbebauten als Lärmriegel vor, welche in den unteren Geschossen einen wirkungsvollen Lärmschutz sicherstellen. Weiter basiert das Projekt auf der Idee Durchwohnen in Kombination mit der Anordnung von Loggias, Laubengängen und entsprechender Grundrissanordnung. Insgesamt ein interessanter und guter Lösungsansatz, welcher in den unteren Geschossen eine relativ flexible Grundrissgestaltung zulässt.

Nur schon der Titel: «Solex: Entwerfen mit dem Faktor Klima» zeigt auf, dass die Projektverfassenden sich intensiv mit diesen Fragestellungen auseinandergesetzt haben. Die im Text vorgeschlagene Holzbaukonstruktion trägt positiv zur Nachhaltigkeit bei. Die optimierte Kompaktheit und die Reduktion des Fensteranteil sind weitere Massnahmen. Die Projektverfassenden schlagen auch vor, die notwendigen Lärmschutz-Doppelfassade aus Re-Use-Fassaden mit Fenstern aus Bürobauten der 60er und 70er Jahren zu erstellen. Wie sich diese an sich interessante Idee hinsichtlich zeitlicher Verfügbarkeit und auch hinsichtlich konomischer Aspekte umsetzen lässt, müsste zuerst belegt werden. Das Gleiche gilt für die Re-Use Stahlbauelement der konstruktiv wichtigen Türme. Die Projektverfassenden vereinfachen weiter die Gebäudekörper und versuchen, durch eine Skelettbauweise mit aussteifenden Treppenkernen eine hohe Flexibilität bzw. Anpassungsfähigkeit zu erreichen. Dies gelingt hinsichtlich Anpassungen der Wohnungen aber weniger in den Bereichen der Büronutzungen und nicht in den vorgelagerten Riegel (Lärm-Scheiben). Diese sind als vorgespannte Stampflehm-Bauten geplant und unterstützen entsprechend der CO2-Reduktion. Eine sortenreine Baustofftrennung wird als Ziel gesetzt.

Stadtterrasse