C.Alm

SeARCH BV 
Ausstellungsstrasse 24 
Hamerstraat 3H 
NL-1021 JT Amsterdam Niederlande

Bjarne Mastenbroek, Kathrin Hanf, Esther Mecredy, Harry Kurzhals, Tudor Nedelcu, Theo Tulp, Christian Müller, Kyriaki Charalampia Kaika, Martina Laslova

A2 Studio (Visualisierungen) 
Stationsplein 45 
NL-3013 AK Rotterdam Niederlande

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Gesamtwürdigung

Eine tiefe und kritische Auseinandersetzung mit dem Richtprojekt führt zum Vorschlag, die erklärt öffentliche Stadtterrasse (Höheweg) tiefer als im Richtprojekt zu legen und in Form mehrerer zeichenhafter Höhenwege stärker mit der Stadtebene zu verbinden. Der innovative und konsequent umgesetzte Ansatz wird sehr geschätzt. Bemerkenswert ist die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Abstufung von privat und öffentlich, von Individualität und Kollektiv, welche sich von unten nach oben verschiebt und verlagert. Bezüglich der propagierten Durchmischung von Büro- und Wohnnutzung bleibt der Vorschlag zu vage. Die technische Machbarkeit des tiefergelegten Höheweges zieht nicht unerhebliche, logistische wie wirtschaftliche Folgen nach sich, welche in einem kollektiven Entwurfsprozess zur Weiterentwicklung des Richtprojektes nur schwer umsetzbar sein dürften.

C ALM 1

Projektbeschrieb

Städtebau und Architektur

«Wir betrachten die Wohntürme ähnlich einer lebendigen Landschaft, einer Bergkette, in der die Bewohnerinnen und Bewohner entlang eines grünen Wanderweges auf der städtischen Alm (CH:«ALP») wohnen.» Ein roter, mäandernder Wanderweg ist als sichtbares Zeichen Sinnbild der Verbindung der Stadtebene mit den diversen grünen Terrassen und laden ein, die gestapelte Stadt zu erkunden. Der rote Faden in Form von Rolltreppen, Treppen und Liften drückt ohne Zweifel eine hohe Öffentlichkeit der verschiedenen Ebenen aus. «Endlich erlebt die Überlagerung mehrerer Mobilitäts- und Programmformen ein Revival». Le Corbusiers «Ville Contemporaine» und besonders Ludwig Hilbersheimers «Vertikal City» nahmen die gestapelte, fussgängerfreundliche Wohnstadt mit erhöhten Gehwegen über einer Handelsstadt in städtebaulichen Visionen vorneweg. Im Zeitalter nachhaltiger Entwicklung und dem Wunsch nach urbanem Wohnen wird ein Antrieb und eine Begeisterung für ein hochwertiges Wohnen im Hochhaus entwickelt. Mahnend wird aber auf die Bedeutung der Verbindung mit der Stadtebene verwiesen. Neben der Verbindung der Stadtebene mit den höher gelegenen Ebenen wird aufgrund der Herausforderungen durch die Lärmbelastung vorgeschlagen, die Büros neu bis in die neunte Etage hochzuziehen, als Lärmschutz für die Wohnungen, welche bereits ab der siebten Etage beginnen. Im Richtprojekt wird eine starke Spannung zwischen dem Wohnen und der belastenden Situation in Bezug zum Lärm sowie Besonnung und der zu hoch angeordneten Stadtterrasse geortet, und als Anlass für eine weitreichende Umdeutung der Volumenkonstellation genommen. Um Nachbarschaften schaffen zu können, wird vorgeschlagen, die Stadtterrasse um zwei Geschosse abzusenken und gleichzeitig auf vier Geschossen Wohnen und Büros miteinander in Beziehung zu setzen. Das Absenken kann nachvollzogen werden. Das Versprechen der Nutzungsmischung von Büro und Wohnen wird zwar erwähnt, findet aber in den Plänen kaum Eingang. Vielmehr findet eine Trennung statt: Büros lärmorientiert als schmaler Gürtel und die Wohnungen lärmgeschützt aber ohne Weitsicht zum Jura. Kommt dazu, dass die Büroflächen für grosse zusammenhängende Flächen nicht mehr geeignet sind. Technisch bedeutet das Hochführen der Erschliessung der Büros, dass alle Hauseinheiten und Treppenhäuser die Brandschutzanforderung eines Hochhauses erfüllen müssen. Insofern erweist sich die Tieferlegung als kaum mit den technischen und programmatischen Intensionen des Richtprojektes zu vereinbaren. Gleichzeitig mit der Tieferlegung wird das Hochhaus Baufeld B5 erhöht, was wiederum eine stärkere Beschattung der Terrassen, der Wohnungen und des Neuenschwanderplatzes zur Folge hat. Problematisch wirkt sich die Erhöhung auch auf die Nivellierung der Kulisse aus, da der stufenartige Verbund verloren zu gehen droht. Es zeigt sich hier wie sensibel die Bautenkonstellation letztlich ist und eine Verbesserung auf der einen, eine Verschlechterung auf der anderen Seite nach sich ziehen kann. Auf der Stadtebene werden im Gegensatz zum Richtprojekt keine Vorbauten vorgesehen. Durch das Aufbrechen der Gebäudesockel wird der Durchlässigkeit und Transparenz hingegen mehr Bedeutung beigemessen. Die freie Gestaltung der Architektur wird als Ausdruck von verschiedensten Wohnformen und Lebensstilen verstanden. Insofern erweist sich das Erscheinungsbild als adaptierbar. Alternative Gestaltungsansätze für Alternative Gestaltungsansätze für den Freiraum auf Stadtebene werden nur im Bereich des Neuenschwanderplatzes aufgezeigt. Zum übrigen Freiraum auf Stadtebene werden keine Aussagen gemacht. Die Gestaltung der Dachgärten verfügt über gute räumliche Qualitäten, welche durch die grossflächig angelegten Pflanzbereiche in Teilen das Potential besitzen, den Ansprüchen einer lebendigen, zweiten Stadtebene gerecht zu werden. Hier ist die angestrebte Substratstärke eher knapp und lässt langfristig hohe Aufwendungen für den Qualitätserhalt vermuten.
C.Alm Modellbild
Situationsplan Erdgeschoss

Nutzung und Funktionalität

Sehr sorgfältig wird das Verhältnis von privat und öffentlich, zwischen Individuum und Kollektiv ausgelotet. Je höher die Distanz zum Boden, umso privater werden die Räume. Gegenüber dem Richtprojekt findet eine Verfeinerung der Stadtterrasse und auch der Wasserrückhaltung, Begrünung und Bepflanzung statt. Die räumlich etwas beengten Hauszugänge auf der Stadtebene werden mit der Idee erklärt, dass die Hauseingänge der Wohnungen hauptsächlich über die äusseren Erschliessungen erreicht werden sollen. Ob im Tagesbetrieb und bei schlechter Witterung eine wirkliche Entlastung und Verlagerung über den «Wanderweg» erreicht werden kann, bleibt allerdings fraglich. Minimal und weitgehend auf ihre Funktion reduziert, präsentieren sich die inneren vertikalen Erschliessungen. Nur gerade im beim Baufeld B7 wird eine zusätzliche räumliche Qualität angedeutet. Das Wohnhochhaus beim Baufeld B5 nimmt aufgrund seiner Positionierung, seiner Höhe aber insbesondere seiner Erschliessung mittels Rolltreppe von der Shedhalle aus, eine besondere Bedeutung ein. Es bildet den Auftakt in das Narrativ von Alpwegen, Klettersteigen, Höhenwegen, Felsgraten und weiteren alpinen Andeutungen. Überzeugend wird das Wohnhochhaus als Chance und exklusive Adresse erkannt, unterschiedlichsten Wohnformen, geschoss- oder segmentweise, eine spektakuläre und auftaktgebende Entfaltung zu ermöglichen. Home­office, Studios, Einsteigerwohnungen, Duplexwohnungen, Turmwohnungen, und Penthouse's sind dabei mögliche Wohnungstypen. Im pyramidenförmigen Baubereich B6 tragen fein gestaffelte Terrassen zu einer sehr hohen Aussenraumqualität bei. Die Wohngrundrisse selbst sind nur schematisch. Die Abstufungen und Terrassen im Baubereich B7 sind grösser und werden für geräumigere gemeinschaftliche Aufenthaltsorte genutzt. Der für das Projekt bedeutende, schleifenartige Höhenweg zeichnet sich durch eine kleinteilige, atmosphärisch angenehme Dramaturgie aus. Wie weit allerdings, trotz Absenkung der Terrasse, tatsächlich eine öffentliche Ausrichtung gerechtfertigt ist und erfolgreich sein kann, wird intensiv diskutiert. Verbunden wird die vertikale Berglandschaft durch unzählige Wege und Treppen, einem nicht eben barrierefreien «fil rouge», welcher die Niveaus verbindet. Diesem Höhenweg kommt eine wichtige Erschliessungs- und Adressbildungsfunktion zu. So werden auch Wohnungen in höheren Lagen direkt mit dem Geschehen auf dem Boden verbunden, geerdet und die Öffentlichkeiten bis fast vor die Wohnungstür hergestellt. Ein generationenübergreifender Spielplatz auf erster Stadtterrassenebene unterstreicht diese Öffentlichkeit. Aus schweizerischer Sicht ein mutiger, aus sozialräumlicher Sicht aber auch ein konsistenter Ansatz, das Hochhaus in der Vertikale als gemeinschaftliches und öffentliches Raumkonglomerat zu denken.
Höhenweg 6. Obergeschoss + Stadtterrasse
Visualisierung Ansicht West

Wirtschaftlichkeit

Der Projektbeitrag weist im Vergleich zu den anderen Projekten vermutlich die höchste Fassaden- und Dachabwicklung auf. Die komplex ausformulierten Wohngeschosse, welche sich teilweise pro Geschoss verändern, lassen eine wirtschaftliche Realisierung nur bedingt zu.
Berggarten 10. Obergeschoss

Umwelt

Das Projekt hat sich mit der Problematik der Aussenlärmbelastung auseinandergesetzt, der gewählte Lösungsansatz ist jedoch nur minimal dargestellt und lässt viel Interpretationsspielraum. Die komplexe, vielschichtige Stapelung und Verschachtelung der verschiedenen Volumina gewährleisteten lärmgeschützte Nischen. Im Wesentlichen basiert das Projekt jedoch auf der Idee, Büronutzung als «Pufferzone» gegenüber den lärmbelasteten Ausrichtungen anzuordnen. Insgesamt ein Lösungsansatz mit Potential, welcher in Bezug auf den Lärmschutz als möglicher Ansatz eingestuft werden kann. Das Thema Nachhaltigkeit wird differenziert weiterentwickelt. Neben den bekannten Massnahmen wird den spezifischen Materialeigenschaften, der Zirkularität, Demontierbarkeit und Wiederverwendbarkeit hohe Beachtung geschenkt. Im Erscheinungsbild finden die Thesen in möglichst unbehandelten Materialien ihren in Form von Patina sichtbaren und augenfälligen Niederschlag. Der Energiebedarf soll weiter durch kompaktes Bauen und effiziente Fassadenlösungen ­(Vorfertigung, Repetition, Doppelfassaden) optimiert werden. Konstruktiver Holzbau in den oberen Etagen soll zudem das Gesamtgewicht optimieren.
Schnitt